Abschied von Helmut Kohl - Europäischer Staatsakt geplant

Generation Kohl: Das Lebensgefühl der 80er und 90er

Trauernde legen weiter Blumen vor Kohls Wohnhaus ab

Kohl gilt als Architekt der deutschen Einheit sowie des Zusammenwachsens Europas.

Der verstorbene Altkanzler Helmut Kohl soll als erster Politiker mit einem europäischen Staatsakt gewürdigt werden.

Für den am Freitag verstorbenen Kohl hatte der fast tausend Jahre alte Kaiserdom zeit seines Lebens eine große Bedeutung: Hier suchte er als 13-Jähriger im Zweiten Weltkrieg Schutz vor den Fliegerangriffen, hierhin zog er sich oft zurück, hier war im Jahr 2001 auch die Totenmesse für seine erste Frau Hannelore gehalten worden.

Kondolenzbücher, Blumenmeere am Wohnhaus, Flaggen auf Halbmast, Beileidsbekundungen: Die Anteilnahme am Tod von Altkanzler Helmut Kohl währte das ganze Wochenende über. Das Boulevardblatt meint auch die Planung dieses Staatsakts bereits zu kennen: Nach dem Gedenken durch politische Weggefährten in Straßburg solle der Leichnam per Schiff über den Rhein nach Speyer transportiert werden, für eine Totenmesse im dortigen Dom - öffentlich für jeden, der Abschied nehmen möchte. Die Tür in Oggersheim öffnete ihm am Abend der frühere "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, ein langjähriger Vertrauter Kohls und Trauzeuge bei dessen Heirat mit Maike Richter 2008".

Ludwigshafen - Als erste Persönlichkeit in der Geschichte der EU soll Helmut Kohl mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden.

Die Kanzlerin fügte hinzu: "Wir Deutschen verdanken ihm viel". Der Staatsakt solle möglichst binnen zwei Wochen stattfinden, der genaue Termin und weitere Details seien aber noch offen, sagte eine Kommissionssprecherin. "Er hat sich um die Wiedererlangung der Einheit unseres Vaterlandes und die Europäische Einigung wie kaum ein anderer verdient gemacht. Ich verneige mich vor seinem Angedenken" und unterschrieb ihre Botschaft mit "Angela Merkel". Sie können sich noch bis Freitag im Kanzleramt und in der Berliner Senatsverwaltung im Roten Rathaus in Kondolenzbücher eintragen. Seit Sonntag liegt auch im Bundeskanzleramt ein Kondolenzbuch aus, ebenso wie in der Mainzer Staatskanzlei.

Die CDU-Zentrale im Konrad-Adenauer-Haus hat ein Online-Kondolenzbuch für alle anderen Deutschen eingerichtet. Die aus ganz Deutschland angereisten Vertreter der CDU-Nachwuchsorganisation legten Blumen, Kränze und Kerzen vor dem Bungalow im Stadtteil Oggersheim nieder. Auch ein Bestatter kam in das Haus, wo der Leichnam Kohls nach einem Bericht der "Bild am Sonntag" im Wohnzimmer aufgebahrt liegt.

Am Samstagabend hatten sich etwa 150 bis 200 Mitglieder der Jungen Union vor dem Wohnhaus des Altkanzlers versammelt. Auch die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) und der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann kamen zu Kondolenzbesuchen. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien und CDU-Landesvorsitzende in Berlin, forderte eine Stiftung in Gedenken an Helmut Kohl.

Der engste Familien- und Freundeskreis solle in der Traukapelle im Adenauerpark Abschied von Kohl nehmen können. Ein Datum stehe noch nicht fest. Der Deutsche Fußball-Bund teilte mit, dass die Nationalmannschaft am Montag beim Confed Cup in Russland mit Trauerflor auflaufen wird. Der frühere SPD-Vorsitzende und -Kanzlerkandidat Rudolf Scharping plädierte in der "Welt am Sonntag" dafür, Straßen und Plätze nach Helmut Kohl zu benennen.

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