Absolute Mehrheit für Macron-Lager offiziell bestätigt

Brigitte und Emmanuel Macron

Brigitte und Emmanuel Macron

Geprägt war die Wahl von einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung. Laut ersten Hochrechnungen verschiedener Institute kam Macrons Lager im zweiten Wahlgang am Sonntag auf 355 bis 425 der 577 Sitze in der Nationalversammlung.

Macrons Lager kann nach Umfragen mit bis zu 470 der 577 Sitze in der Nationalversammlung rechnen. Ihre Front National habe mindestens sechs Sitze gewonnen, erklärte sie.

Der Front National verfehlt sein Ziel von 15 Abgeordneten, die nötig sind, um eine Fraktion zu bilden.

Dennoch liegt diese Ausbeute von REM-MoDem klar unter dem seit Tagen angekündigten Erdrutsch mit 450 Mandaten oder mehr, den die Umfrageinstitute nach dem ersten Wahlgang prophezeit hatten. Allerdings hatten Umfragen Macron in den Tagen vor der Wahl noch mehr Zustimmung vorausgesagt. Dieser habe eine klare parlamentarische Mehrheit erreicht. Die Regierung Macron nehme das Wählermandat "mit Demut und Entschlossenheit" wahr.

Frankreich leidet schon lange unter einer hohen Arbeitslosigkeit, sie lag zuletzt bei 9,5 Prozent.

Auch Regierungssprecher Christophe Castaner räumte ein, dass die Wähler dem Präsidenten keinen "Blankoscheck" ausgestellt hätten. Sie zieht damit im vierten Anlauf erstmals in die Nationalversammlung ein. Die Franzosen hätten sich mehrheitlich "für die Hoffnung und gegen die Wut" ausgesprochen.

Den Wahlsieg des Präsidenten überschattet dabei eine katastrophalen Wahlbeteiligung. Stattdessen fordert sie das proportionale Wahlrecht. Doch sie ist geringer als erwartet - und die Wahlbeteiligung war so gering wie nie. Parteichefin Le Pen selbst gewann in ihrem Wahlkreis in Nordfrankreich, wie sie der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Macron gab seine Stimme am Morgen im nordfranzösischen Badeort Le Touquet ab. Danach flog er zu einer Zeremonie bei Paris zum Jahrestag eines Aufrufs des Staatsmannes Charles de Gaulle an die Franzosen im Jahr 1940, Widerstand gegen die deutschen Besatzer zu leisten. Macron hat also weitgehend freie Fahrt für seinen Reformkurs. Es ist eine Reaktion auf Skandale wie die Scheinbeschäftigungsaffäre um den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon.

Macrons Kritiker finden auch bedenklich, dass er die Parlamentsdebatte über die geplante Arbeitsmarkt-Reform durch Verordnungen verkürzen will. Gewerkschaften und Linke drohen bereits mit Massenprotesten.

Am Sonntag wurde noch in 573 Wahlkreisen gewählt: Vier Kandidaten hatten es bereits vor einer Woche geschafft, in ihrem Wahlkreis die absolute Mehrheit zu erobern. Für Macron treten zahlreiche Polit-Neulinge an, sein Sieg wäre auch deshalb ein Bruch mit der Tradition. Hier reichte die einfache Mehrheit.

Seit Wochen wird Macron von allen Seiten gehypt: "Kann er über das Wasser laufen?", fragte eine französische Fernsehmoderatorin nach der ersten Runde der Parlamentswahlen. Der Sieg der erst vor 14 Monaten von Macron gegründeten Bewegung En Marche ging auf Kosten der traditionellen Parteien. Der Staatschef habe "nicht die Legitimation, seinen sozialen Staatsstreich fortzusetzen". "Dass die Anhänger der Linken und die Anhänger der Rechten behaupten, ich stünde auf der anderen Seite, das beweist nur, dass ich auf keiner Seite bin", hatte der General 1965 gesagt und hinzugefügt: "Ich bin für Frankreich". Mit todernster Miene pries der Staatssekretär die Lebendigkeit von Frankreichs Demokratie - um dann zu berichten, wie überaus verwundert der Herr Präsident sei über "die Gefahr des Absolutismus, die einige heraufbeschwören".

Viel Emotion. Es ist ihm gelungen, Menschen mit Begeisterung mitzureißen.

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