Air-Berlin-Chef: Flüge wieder zuverlässig und pünktlich

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel

Jede Fußballmannschaft eines Kleinstadtvereins hätte einen größeren Saal benötigt als die knapp 20 Aktionäre von Air Berlin, die sich am Mittwoch in einem Hotel einen Steinwurf entfernt vom Londoner Flughafen Heathrow trafen.

Ende vergangener Woche hatte der Lufthansa-Rivale nach eigenen Angaben eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt - der erste Schritt für Unterstützung vom Staat.

Die Airline steckt schon seit der Finanzkrise von 2008 in den roten Zahlen. Wie die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf Daten des Fluggastrechte-Portals "EUclaim" berichtet, gab es im Juni bisher jeden Tag durchschnittlich 24 sogenannte Problemflüge von und nach Deutschland. Indirekt drohte er allerdings der Politik: Der Vorstand habe Verantwortung für rund 8000 Beschäftigte in Berlin, Düsseldorf und anderen Standorten, die Steuern zahlten. Nächstes Jahr sei ein operativer Gewinn möglich - aber Bürgschaften will der Vorstand trotzdem.

Wegen Mängeln bei der Flugplanung und beim Umbau der Flotte fallen bei Air Berlin seit Wochen Flüge aus und es gibt immer wieder große Verspätungen. Lufthansa hat Interesse an einem solchen Geschäft bekundet.

Allerdings bezeichnete er die von Air Berlin angefragten Kreditbürgschaften der Länder NRW und Berlin auch weiterhin als "willkommen" für den nun nötigen Konzernumbau.

"Die Verantwortung des Managements ist es, alle Möglichkeiten auszuloten, um primär die Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern". Die Gesellschaft des Emirats Abu Dhabi, die 29,2 Prozent der Anteile an den Berlinern besitzt, hält das Unternehmen seit Jahren mit Finanzspritzen in der Luft.

Denkbar ist, dass ein neuer Sanierungs-Anlauf unternommen wird, Konkurrent Lufthansa Air Berlin übernimmt oder das Unternehmen in die Insolvenz geht. Winkelmann betonte in London, die Airline sei weiter zahlungsfähig. Aus Ärger über ausgefallene Flüge und Verspätungen verlangen Kunden Medienberichten zufolge Schadenersatz in Millionenhöhe. Der Verkauf wurde bereits im Dezember 2016 angekündigt, Etihad überwies bereits die vereinbarten 300 Millionen Euro an Air Berlin. "Unsere Flugzeuge sind auch heute noch zu mehr als 80 Prozent ausgelastet". Weniger Annullierung, Aufstockung beim Personal und mehr Pünktlichkeit - darauf verweist das Unternehmen stolz, doch ob das reicht, um allein das Defizit von 780 Millionen Euro aus dem Vorjahr wegzulächeln. Das Eigenkapital von Air Berlin ist deutlich negativ. Laut Winkelmann hat die Bürgschafts-Voranfrage damit aber nichts zu tun. Ein wichtiges Motiv für die Wahl dieser Konstruktion war ehedem, dass sich auf diese Weise die deutsche Unternehmensmitbestimmung ausschalten lässt, also die Vertretung von Belegschaftsvertretern im Aufsichtsrat. Das Ferienfluggeschäft unter der Marke Niki soll verkauft werden.

Man sei nun weiter offen für neue Partner, so Winkelmann weiter. Finanzvorstand Dimitri Courtelis bekräftigte auf dem Aktionärstreffen, Air Berlin solle ab 2018 wieder einen Betriebsgewinn (Ebit) erreichen.

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