Anti-Terror-Ermittlungen nach tödlichem Zwischenfall in London

Polizisten im Einsatz nach der Wahnsinnstat am Londoner Borough Market In der Nacht auf Montag ist in der britischen Metropole erneut ein Auto in eine Menschenmenge gefahren

Auto fährt in London in Passanten

Nach Polizeiangaben wurde bei dem Vorfall, der sich nahe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park ereignete, ein Mann getötet.

Umstehende Personen setzten den Mann fest, bis die Polizei kam und ihn festnahm.

Die Tat: Ein Kleinlaster ist in der Nacht zum Montag in eine Menschenmenge nahe einer Moschee im Londoner Stadtteil Finsbury Park gefahren. Zuvor war der Mann nur wegen versuchten Mordes festgenommen worden. Die Hintergründe waren zunächst unklar. Wie die Polizei am Montag in der Früh weiter mitteilte, haben Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen übernommen. Opfer waren wohl hauptsächlich Muslime.

Acht Verletzte wurden in drei Krankenhäuser gebracht, zwei Menschen wurden mit leichten Verletzungen vor Ort behandelt. Einen Namen gaben die Ermittler zunächst nicht bekannt. Die Einsatzkräfte wurden daraufhin zum Ort des Geschehens in der Seven Sisters Road geschickt, mehrere Opfer würden dort versorgt. Mohammed Shafiq von der muslimischen Organisation sagte in der Nacht: "Ich verurteile diese sinnlose und böse Attacke mit einem Lieferwagen gegen muslimische Gläubige ausserhalb der Finsbury-Park-Moschee in London". Kurz nach Mitternacht (01.20 Uhr MESZ) seien Notrufe eingegangen, die einen "Zusammenstoß zwischen einem Fahrzeug und Fußgängern" gemeldet hätten, so die Polizei.

Die britische Premierministerin Theresa May sprach von einem "schrecklichen Zwischenfall".

Die Polizei hatte zunächst keine Hinweise auf weitere Verdächtige. Der 48-Jährige wurde in ein Spital gebracht und wird auf seine psychische Gesundheit untersucht. Einige Moscheebesucher befinden sich unter den Opfern. "Ich will alle Muslime töten!" gerufen, gab der Augenzeuge Khalid Amin am Montag gegenüber der BBC an. Der Anschlag sei "ganz klar eine Attacke auf Muslime" gewesen, sagte die Chefin der Behörde, Cressida Dick. Und: "Wir nehmen jede Art von Hasskriminalität sehr ernst". Das Land werde sich aber nicht spalten lassen.

Ein Imam wird als Held gefeiert. Mohammed Mahmoud soll sich nach Augenzeugenberichten schützend vor den Terrorverdächtigen gestellt haben, der aus dem Lieferwagen gezerrt worden war.

Ein Minivan raste offenbar in Passanten. Laut Augenzeugen ist der 48-jährige Fahrer absichtlich in die Leute gefahren. Anschließend hätten Passanten den Fahrer wohl überwältigt und der Polizei übergeben.

Großbritannien war in den vergangenen Wochen von einer Anschlagsserie erschüttert worden. Mindestens 22 Menschen wurden getötet, etwa 119 verletzt. Der muslimische Dachverband MCB teilte mit, das Fahrzeug habe Gläubige gerammt, die nach den abendlichen Gebeten zum Fastenmonat Ramadan aus der Moschee gekommen seien. Auch Londons Bürgermeister Sadiq Khan bewertete die Tat als zielgerichtete Attacke. "Wir werden weiter zusammenstehen gegen Extremisten, die einen Teufelskreis der Gewalt wollen".

Auch außerhalb Großbritanniens löste die Attacke Entsetzen aus. Der EU-Chefunterhändler für die Verhandlungen über einen britischen EU-Austritt, Michel Barnier, und der britische Brexitminister David Davis sprachen den Opfern und ihren Familien ihr Mitgefühl aus.

Indes wird ein Imam als Held gefeiert.

Laut Augenzeugen soll der Fahrer den weißen Lieferwagen gezielt in die Menge gesteuert haben.

Dieser Artikel wurde am 19.06.2017 um 17:10 Uhr aktualisiert.

Neuesten Nachrichten