"Bild": Ausschließlich europäischer Staatsakt für Kohl

EU-Kommissionspräsident Juncker | Bild dpa

Helmut Kohl gestorben

Helmut Kohl gelang nach dem Fall der Mauer die Wiedervereingung Deutschlands.

Voraussichtlich findet der Staatsakt Anfang Juli statt.

Das Tagesgespräch auf Bayern 2 und in ARD-alpha fragt: Was verbinden Sie noch mit dem Namen Helmut Kohl? Kohl soll nach dem Willen von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker als erster Politiker überhaupt mit einem europäischen Staatsakt geehrt werden. "Helmut Kohl war ein großer Europäer und ein sehr guter Freund", so der Luxemburger in einer Erklärung zum Tod des Alt-Kanzlers.

Es wäre das erste Mal, dass eine verstorbene Persönlichkeit mit einem europäischen Staatsakt gewürdigt wird.

Die Details würden nun ausgearbeitet und ein Termin gesucht, sagte die Sprecherin. Bis zum geplanten Staatsakt soll Kohl in seinem Haus in Ludwigshafen-Oggersheim aufgebahrt bleiben, so die "Bild am Sonntag". An dem Staatsakt sollen unter anderem EU-Spitzenvertreter und politische Weggefährten Kohls teilnehmen. Nach dem Staatsakt soll der Leichnam Kohls mit einem Schiff über den Rhein in das etwa 100 Kilometer nördlich gelegene rheinland-pfälzische Speyer gebracht werden. "Zu seinen letzten Worten gehörte die Mahnung, dass viel auf dem Spiel stehe, es gehe um unsere Zukunft und "unsere Zukunft heißt Europa". Im Dezember 1999 sorgte Merkel als CDU-Generalsekretärin mit einer öffentlichen Distanzierung in Kohls Spendenaffäre wesentlich für seinen Sturz.

Kardinal Marx erinnert in der Kondolenz auch an die herzliche Begegnung mit Papst Benedikt XVI., als dieser 2011 Deutschland besuchte.

Trauernde tragen sich am Wochenende im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin in ein Kondolenzbuch für den verstorbenen Helmut Kohl ein.

Von 1969 bis 1976 war der geborene Ludwigshafener Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, von 1973 bis 1998 war er CDU-Bundesvorsitzender.

Aber auch in Deutschland dürfte es wohl eine größere Trauerzeremonie geben. Einem entsprechenden Antrag des Deutschen Fußball-Bundes gab der Weltverband FIFA statt, wie der Sportinformationsdienst (sid) berichtete. Der frühere SPD-Vorsitzende und -Kanzlerkandidat Rudolf Scharping plädierte in der "Welt am Sonntag" dafür, Straßen und Plätze nach Helmut Kohl zu benennen.

Am Sonnabend hatten sich knapp 200 Menschen vor dem Wohnhaus versammelt, die einem Aufruf der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union zu einer Gedenkwache gefolgt waren und Blumen und Kerzen niederlegten.

Bei der Verleihung des Point-Alpha-Preises an den Liedermacher und früheren DDR-Dissidenten Wolf Biermann legten die 1000 Gäste und Zuschauer im osthessischen Rasdorf eine Schweigeminute ein. "Europäische Staatsmänner aus kleinen Ländern haben mir öfter gesagt, dass sie Helmut Kohl im Zusammenspiel der europäischen Kräfte ganz besonders schätzten, weil er gerade als Vertreter eines größeren und mächtigeren Landes immer Sensibilität und Rücksicht walten ließ gegenüber kleineren Partnern".

"Mit tiefer Trauer erfuhr ich vom Tod Helmut Kohls, einem herausragenden deutschen Politiker, einem der Initiatoren der Wiedervereinigung Deutschlands".

Zuvor hatte die Landesregierung ein Kondolenzbuch in der Mainzer Staatskanzlei ausgelegt. "Er hat sich um die Wiedererlangung der Einheit unseres Vaterlandes und die Europäische Einigung wie kaum ein anderer verdient gemacht". Kohl war die Wirtschaft fremd, wenn auch nicht so fremd, wie sie Angela Merkel ist.

Noch im vergangenen Dezember besuchte der Altkanzler im Rollstuhl und in Begleitung seiner zweiten Frau Maike Kohl-Richter die weihnachtlich geschmückte Kathedrale.

Zugleich ist Speyer Austragungsort vieler Reichstage und ein Symbol für deutsch-französische Kriege und Aussöhnung: Der schlimmste Schaden traf den Dom 1689, als im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. das Gotteshaus anzündeten. Bis zu seinem Tod stand Kohl dem Kuratorium der "Europäische Stiftung Kaiserdom zu Speyer" vor.

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