"Bild": Kein nationaler Staatsakt für Helmut Kohl geplant

Einen Termin gibt es nach Angaben der EU-Kommission noch nicht.

Juncker begründet die Initiative in der "Bild am Sonntag" damit, dass Kohl einer von nur drei europäischen Ehrenbürgern war - neben dem europäischen Gründervater Jean Monnet und dem früheren Kommissionspräsidenten Jacques Delors - sowie Wegbereiter des Euro. Und in Straßburg soll ein Staatsakt stattfinden. Selbstverständlich wäre das Land sehr geehrt, wenn ein solcher Staatsakt in Kohls Heimat stattfinden würde, sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Abend im ZDF. "Aber es ist genauso klar, dass die Familie dazu das letzte Wort hat". Im Speyerer Dom war im Juli 2001 auch die Totenmesse für Kohls erste Frau Hannelore gehalten worden, die an einer Lichtallergie gelitten und sich das Leben genommen hatte.

Die Trauerfeierlichkeiten ähneln denen für den im April 1967 verstorbenen ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer. Auch aus dem Bundespräsidialamt hieß es am Sonntag lediglich, man warte zunächst die weitere Entwicklung ab. Schon zu Lebzeiten sei Helmut Kohl mit der Ehrenbürgerschaft Europas ausgezeichnet worden, um seine außerordentlichen Verdienste zu würdigen. Es wäre das erste Mal, dass ein europäischer Staatsakt ausgerichtet wird. Kohl gilt als Architekt der deutschen Einheit sowie des Zusammenwachsens Europas. Schulz nannte Kohl eine "Jahrhundertgestalt". Nach einer Privataudienz im Vatikan sagte Merkel, der Papst habe seine Anteilnahme ausgedrückt und Kohl als "großen Staatsmann" gewürdigt. "Mit Helmut Kohl verlieren wir einen großen Deutschen und großen Europäer", schrieb sie. Wir Deutschen verdanken ihm viel. Ich verneige mich vor seinem Angedenken.

Mit Kondolenzbüchern, Trauerbeflaggung und Gedenkwachen wird in ganz Deutschland an Kohl erinnert. Die CDU legte in ihrer Zentrale in Berlin ein Kondolenzbuch aus und richtete ein Online-Kondolenzbuch ein. Grütters kann sich auch vorstellen, dass in Berlin eine Straße oder ein Platz nach dem Ex-Kanzler benannt wird.

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wird am Montag beim Auftaktspiel zum Confederations Cup gegen Australien mit Trauerflor spielen. Unter den Besuchern im Trauerhaus war auch der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn.

Am Sonnabend hatten sich knapp 200 Menschen vor dem Wohnhaus versammelt, die einem Aufruf der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union zu einer Gedenkwache gefolgt waren und Blumen und Kerzen niederlegten. Auch die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) und der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann kamen zu Kondolenzbesuchen. Sein Tod hatte in Deutschland und international Trauer ausgelöst.

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