IW-Studie: Viel zu viele Häuser auf dem Land

Nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft werden zu oft neue Häuser gebaut

Wolfram Steinberg Nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft werden zu oft neue Häuser gebaut

Deutschlands Bauherren bauen in ländlichen Regionen nach Einschätzung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) viel zu viel. Die Oderstadt ist dabei ein Sonderfall, weil hier die Zahl der Wohnungen sogar gesunken ist, obwohl eigentlich mehr gebraucht werden. In der Uckermark, in der Prignitz sowie in drei südlichen Landkreisen gibt es der Studie zufolge gar keinen Bedarf an Neubauten. In manchen dieser Kreise stieg die Zahl der Wohnungen dennoch, in Oberspreewald-Lausitz und Spree-Neiße sank sie hingegen.

Besonders drastisch war die Fehlentwicklung in Ostprignitz-Ruppin: Einem Bedarf von 69 Wohnungen standen 202 Neubauten gegenüber. Insgesamt seien in ländlichen Kreisen 20 Prozent mehr Wohnungen gebaut worden als benötigt. In Berlin etwa sind laut Studie in den vergangenen Jahr nur 40 Prozent der eigentlich benötigten Wohnungen gebaut worden, in München 43 Prozent und in Hamburg 59 Prozent.

So seien im Emsland zwischen 2011 und 2015 rund 1060 Wohnungen mehr gebaut worden, als auf Basis der Bevölkerungsentwicklung und der bestehenden Leerstände sinnvoll gewesen wäre. Ähnlich war die Entwicklung in anderen Ballungsräumen. Immerhin: Im Jahr zuvor hatte der Anstieg noch sieben Prozent betragen. Nötig wäre platzsparendes Bauen, doch stattdessen konstatiert IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer: "Wir stellen mit Schrecken fest, dass in ländlichen Regionen immer noch sehr viele Einfamilienhäuser gebaut werden".

Die verstärkte Zersiedelung führe zu steigenden Infrastrukturkosten. Die Forscher erwarten eine ganze Reihe negativer Folgen, wenn zuviel gebaut wird: zunehmende Zersiedelung, verödende Dorfzentren und neue Leerstände.

Befördert wird die ungünstige Entwicklung laut IW-Studie von den Niedrigzinsen der vergangenen Jahre, die den Kauf einer Immobilie vergleichsweise günstig machen.

Die Kölner Immobilienforscher stehen mit ihrer Einschätzung nicht allein da: "Wir haben ein Stadt-Land-Gefälle in der Bautätigkeit", sagt auch Stephan Kippes, Marktforschungsleiter beim Immobilienverband Deutschland Süd in München.

In Deutschland entsteht zwar viel neuer Wohnraum, aber an den falschen Standorten. Schon jetzt stehen nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung fast eine Million Wohnungen in ländlichen Regionen leer.

Um weiteren Leerstand zu vermeiden, rät das Institut der Deutschen Wirtschaft zu einem Umdenken in der Kommunalpolitik. Sie sollten keine neuen Baugebiete ausweisen, Neubauten an den Abriss von alten Häusern koppeln und die Ortskerne attraktiver machen.

Gleichzeitig sollten Kommunen mit schrumpfender Bevölkerung die Innenentwicklung fördern und ihre Zentren attraktiver gestalten.

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