Krisentreffen der Air-Berlin-Aktionäre

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel

ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel

Bis Herbst 2018 habe Anteilseigner Etihad dem angeschlagenen Luftfahrtunternehmen Air Berlin seine Unterstützung zugesagt, sagte Unternehmensvorstand Thomas Winkelmann am Mittwoch.

Die Airline hatte in der vergangenen Woche bei den Landesregierungen von Berlin und Nordrhein-Westfalen eine Voranfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags gestellt.

Das Gros der Anteilseigner stört auch nicht, dass Finanzvorstand Dimitri Courtelis nicht sagt, wie denn der Rest des Jahres wird und welche Zahlen er erwartet. Zuvor waren am Donnerstag Bemühungen um eine gemeinsame Ferienfluggesellschaft der Tochter Niki mit Tui gescheitert.

London/Berlin. Flüge von Air Berlin sind nach Angaben von Firmenchef Thomas Winkelmann wieder zuverlässig und pünktlich. Auch eine mögliche Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa sieht Wambach kritisch. Es lag Ende 2016 bei minus 1,47 Milliarden Euro.

Air Berlin wollte alles zugleich sein: eine ernstzunehmende Fluggesellschaft, attraktiv auch für Geschäftsreisende, aber gleichzeitig auch ein Billigflieger, der Millionen auf die Kanaren und die Balearen fliegt. Schließlich gehört Air Berlin, nicht nur aufgrund des Namens, zur Hauptstadt.

Ein "tragfähiges Zukunftskonzept" sei die Mindestvoraussetzung für die Gewährung einer solchen Hilfe, hatte die Bundesregierung am Freitag klar gemacht. Die Flotte der restlichen Air Berlin zählt 75 Flugzeuge.

Drastischer drückte sich FDP-Chef Christian Lindner in der Bild-Zeitung aus, dessen Partei der neuen NRW-Regierung angehören wird: "Mit der FDP wird der Steuerzahler nicht für Missmanagement haften". "Wir brauchen in einem marktwirtschaftlichen System die Chance für neue Unternehmen, in einen Markt einzudringen".

Nicht nur finanziell steht Air Berlin schlecht da. Der Luftverkehrsexperte Gerald Wissel spekuliert über Absprachen auf Regierungsebene: "Wahrscheinlich hat Etihad seine Finanzierungszusagen davon abhängig gemacht, dass sich auch der deutsche Staat an der Rettung beteiligt".

Auch aus Sicht von Etihad macht es finanziell keinen Sinn, Air Berlin die Schulden abzunehmen, um die Fluglinie für eine Übernahme aufzuhübschen. Zudem schnüren die stark expandierenden Billigflieger Ryanair und Easyjet den Berlinern zunehmend die Luft im Europaverkehr ab. Unter dem Dach von Eurowings könnten einige Crews weiterfliegen, aber dem größten Teil der Belegschaft, darunter Tausenden Bodenbeschäftigten, droht der Verlust ihrer Arbeitsstelle. Dafür sind bereits vor Monaten 300 Millionen Euro von Etihad an die notleidende Air Berlin geflossen.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) sprach sich dagegen aus: "Die Politik kann das Unternehmen nicht mit staatlichen Mitteln am Laufen halten", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag).

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