Londoner Feuerwehr unterbricht Suche in ausgebranntem Haus

Im Zentrum von London steht ein Hochhaus in Flammen

Im Zentrum von London steht ein Hochhaus in Flammen

Die Feuerwehr suchte mit Drohnen und Suchhunden nach weiteren Opfern in dem total zerstörten Hochhaus.

Kein Terror-Hintergrund: Nach Angaben von Scotland Yard war der Brand kein Terroranschlag. Die Behörden gehen von einer noch weitaus höheren Zahl an Toten aus, da sich wohl rund 600 Menschen in der Schicksalsnacht in dem Gebäude aufhielten. Bisher waren zwölf bestätigt. Mehr als 24 Stunden nach dem Ausbruch des verheerenden Feuers kam am Donnerstag weiter Rauch aus dem Haus. "Wir nehmen das jedoch zum Anlass und werden überprüfen, ob die aus energetischen Gründen geforderte Außendämmung eine zusätzliche Brandgefahr auslöst", sagte Herrmann.

Bewohner: Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt des Feuers in dem Hochhaus aufgehalten haben, steht noch nicht fest. Viele von ihnen wurden im Schlaf überrascht.

Beim gewaltigen Brand im Zentrum Londons waren 65 Menschen von der Feuerwehr aus den Flammen gerettet worden, anderen gelang selbst die Flucht.

Warum geriet das Gebäude so schnell in Brand? Reinhard Ries, Brandschutzdirektor der Frankfurter Feuerwehr. "Sie wohnt in der obersten Etage, ihr Mann war nicht daheim, weil er im Urlaub ist".

Die Chancen, die vielen Vermissten noch lebend zu finden, sind inzwischen auf Null gesunken. Die genaue Zahl der Vermissten ist noch unklar. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan versprach umfassende Aufklärung. "Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden".

Premierministerin Theresa May reagierte bestürzt. Hat die kürzlich im Zuge der Sanierungsarbeiten angebrachte Fassadenverkleidung den Brand erst zum Inferno werden lassen?

Die für die Renovierung zuständige Firma Rydon erklärte, bei der knapp zehn Millionen Euro teuren Massnahme seien alle Brandschutz- und Sicherheitsvorschriften eingehalten worden. Mindestens 58 Menschen sollen bei dem Brand gestorben sein, heißt es. Die Behörden prüfen demnach aber, ob es vor der Katastrophe strafrechtliche Vergehen gab. Laut Bericht der Sun vom Freitag ist die 24-jährige Künstlerin im Feuer gestorben.

De Kritik an den Brandschutzmaßnahmen wird immer lauter: Der britischer Brandschutz-Experte John Hall nannte den Brand im Grenfell Tower einen Unfall, wie er in der "Dritten Welt" vorkomme. Ein Experte überprüfe laufend die Statik des Grenfell Towers, sagte Londons Feuerwehrchefin Cotton.

Die Berliner Feuerwehr drängte auf schärfere Vorschriften beim Brandschutz auch für niedrigere Gebäude. Berlins Landesbranddirektor Wilfried Gräfling wies am Donnerstag im RBB-Inforadio darauf hin, dass bei Häusern mit einer Höhe von weniger als 22 Metern brennbares Dämmmaterial erlaubt sei. Sie seien deshalb sicher. Für diesen Donnerstag wurde sie am Brandort erwartet. Daher werde es sehr lange dauern, bis die Spezialkräfte von Polizei und Feuerwehr den Sozialbau vollständig durchsucht und alle Opfer geborgen hätten.

Gemeindezentren, Kirchen und Moscheen begannen bereits, immer weiter eintreffende Hilfsmittel - etwa Essen, Kleidung und Schuhe - abzulehnen, da sie mit Spenden überflutet wurden. Mehr als eine Million Pfund an Spendengeldern kamen zusammen.

Wegen des Feuers will Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die energetische Gebäudesanierung in Deutschland auf den Prüfstand stellen. Er sagte der Funke Mediengruppe, ein vergleichbarer Fassadenbrand sei bei uns so gut wie ausgeschlossen.

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