Merkel gratuliert Macron zum Sieg bei der Parlamentswahl

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Zur Hälfte sind die Abgeordneten, die für die Partei des Präsidenten Emmanuel Macron antraten, aus der Zivilgesellschaft rekrutiert, unerfahren im herkömmlichen Politikbetrieb, aber keineswegs unpolitisch.

Bei der Neuwahl der Nationalversammlung kann Präsident Emmanuel Macron auf eine haushohe Mehrheit hoffen. Sein Mitte-Lager kam nach Zahlen des Innenministeriums vom Montagmorgen aus dem Stand auf 350 der 577 Sitze in der Nationalversammlung. Meinungsforscher hatten zuvor bis zu 470 Mandate für möglich gehalten. Die Schwelle für die absolute Mehrheit liegt bei 289 Sitzen.

Die SPD hierzulande hat schon in den Präsidentschaftswahlen bei den Nachbarn den neoliberalen Senkrechtstarter Macron und nicht den in einer Urwahl bestimmten sozialistischen Bewerber unterstützt.

Die Wahlbeteiligung fiel auf ein neues Rekordtief. Sie lag laut Hochrechnungen um die 43 Prozent.

Von den bisherigen französischen Parlamentsabgeordneten, die erneut in ihrem Wahlkreis kandidiert hatten, schieden 122 im ersten und 81 im zweiten Wahlgang aus.

Premierminister Edouard Philippe begrüßte das Ergebnis: "Mit ihrer Wahl haben die Franzosen in großer Mehrheit die Hoffnung der Wut vorgezogen, den Optimismus dem Pessimismus", sagte der Konservative.

Beunruhigend ist etwas anderes: Der Triumph des jungen Präsidenten hat viel damit zu tun, dass ein grosser Teil der Bevölkerung einen enormen Verdruss über die bisher staatstragenden Parteien verspürt - über die Sozialisten und die konservativen Republikaner.

Die zweite Parlamentskammer, der Senat, wird von der bürgerlichen Rechten dominiert.

Bei der entscheidenden Runde der Wahl zur französischen Nationalversammlung zeichnete sich in den ersten Stunden eine geringe Wahlbeteiligung ab. Insgesamt dürften die moderate Linke und die Grünen zusammen nur noch mit 29 bis 49 Sitzen vertreten sein. Linkspartei und Kommunisten kämen demnach auf zwischen fünf und 25 Sitze, die rechtspopulistische Front National auf bis zu sechs Sitze. Bislang waren es 2. Hatten sie doch mehr Mandate erhofft, nachdem es Le Pen noch Anfang Mai in die Stichwahl um das Präsidentenamt geschafft hatte. Marine Le Pen selbst hat ihren Wahlkreis Pas-de-Calais laut AFP gewonnen. Sozialisten-Chef Jean-Christophe Cambadelis trat noch am Abend zurück. Der Wahlkreis im Norden Frankreichs, in dem Macron seine Stimme abgegeben hatte, bleibt dagegen in der Hand der bürgerlichen Rechten. Anders als im ersten Wahlgang begleitete seine Frau Brigitte ihn diesmal nicht mit ins Wahllokal. Das Parlament wird mit seinen Abgeordneten zudem weiblicher und ethnisch vielfältiger. Es gilt ein reines Mehrheitswahlrecht - das macht es für kleine Parteien schwer, Mandate zu gewinnen.

Bereits im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag war Macrons Bündnis mit 32,3 Prozent klar vorne gelandet.

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