Nur wenige Muslime demonstrieren in Köln

Anti-Terror-Demo in Köln Die zentrale Moschee in Köln

Die zentrale Moschee in Köln

Der größte Islam-Dachverband in Deutschland hatte am Mittwoch entschieden, sich nicht an einem in Köln geplanten Friedensmarsch von Muslimen gegen islamistischen Terror zu beteiligen.

Die böse Saat der Terroristen nach dem 11. September scheint aufgegangen zu sein: Die westlichen Gesellschaften sind zunehmend gespalten in die Mehrheit der Nicht-Muslime und die Minderheit der - angeblichen - Muslime.

Der NRW-SPD-Chef Michael Groschek sagte in Köln, die Aktion sei ein "erster Schritt auf einem langen Marsch". Der türkisch-islamische Verband Ditib lehnte eine Beteiligung ab.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir nannte die Begründung der Ditib-Absage in der "Berliner Zeitung" "mehr als fadenscheinig".

Stattdessen sei für den morgigen Freitag in allen DITIB angegliederten Moscheen geplant, Bittgebete gegen den Terror und für den Frieden zu halten.

Als Regierungssprecher Steffen Seibert in der Bundespressekonferenz darauf angesprochen wurde, wie die Kanzlerin die Absage bewerte, äußerte er sich zurückhaltend.

Als der Friedensmarsch sich gegen 14 Uhr unter den Klängen von John Lennons Lied "Imagine" in Bewegung setzt, sind schätzungsweise zwischen 1000 und 1500 Menschen zusammengekommen. Erwartet worden waren bis zu 10.000 TeilnehmerInnen.

Nicht im Ramadan demonstrieren?

Kaddor zeigte sich trotzdem zufrieden. Auf der langen Unterstützerliste für die Demonstration findet sich ein Gutteil der deutschen Politprominenz. "Wir arbeiten im Ramadan".

Der Zentralrat der Muslime hatte sich im Gegensatz zu Ditib ausdrücklich für die Demonstration ausgesprochen. Tarek Mohamad und Lamya Kaddor machten daraus auch kein Geheimnis. Bei der Kundgebung sollen demnach unter dem Motto "Nicht mit uns" 40 weitere Verbände, zivilgesellschaftliche Initiativen und 260 Persönlichkeiten, die zur Teilnahme aufgerufen hatten, Flagge zeigen und den Protest gegen radikal-islamischen Terrorismus öffentlichkeitswirksam auf die Straße tragen. Diese Hoffnung bestätigte sich nicht. Von den prominenten Unterstützern waren dann aber nur die wenigsten gekommen.

Wer als Religionsgemeinschaft Millionen Muslime in Deutschland repräsentieren will, muss auch seine gesellschaftliche Verantwortung annehmen.

"Reiht euch ein - gemeinsam gegen Terror sein", lautete der Ruf der Demonstranten.

Lamya Kaddor und ihre Mitstreiter haben versucht, es vielen Recht zu machen. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Kurdischen Gemeinde, Mehmet Tanriverdi, erklärte im Blick auf den DITIB-Boykott der Demonstration: "Die Bundesländer und der Bund müssten sich fragen lassen, ob sie weiterhin diese aus dem Ausland gesteuerten Totalverweigerer, die ihre Gemeindemitglieder bespitzeln und spitzelnde Imame vor dem Zugriff deutscher Sicherheitsbehörden ins Ausland schleusen, mit Millionensummen unterstützen wollen".

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