Parlamentswahl-Finale: Triumph für Macron erwartet

Rainer Burchardt Professor im Fachbereich Medien an der Fachhochschule Kiel im Porträt

Bild vergrößern Rainer Burchardt geht davon aus dass Macron seinen Handlungsspielraum in Frankreich ausnutzen wird um die Gesellschaft durchzuschütteln

Paris. Frankreich hat bei der zweiten Runde der Parlamentswahl auf einen neuen Negativrekord bei der Wahlbeteiligung zugesteuert.

Das sind noch weniger als im ersten Wahlgang vor einer Woche, als im gleichen Zeitraum 19,2 Prozent zur Wahl gegangen waren. Die einzige Frage ist, ob die Mehrheit von Emmanuel Macron in der französischen Nationalversammlung haus- oder wolkenkratzerhoch ausfällt. Damit hätte er ausreichend Rückhalt für sein Reformprogramm. Erste offizielle Hochrechnungen werden um 20.00 Uhr veröffentlicht.

Eine absolute Mehrheit in der ersten Parlamentskammer galt als sicher.

Emanuelle Macrons Bewegung kann mit 440 bis 470 Sitzen rechnen.

Präsident Macron gab seine Stimme am Vormittag im Badeort Le Touquet am Ärmelkanal ab. Zahlreiche Abgeordnete werden sich erst in die Parlamentsarbeit einarbeiten müssen. Anders als im ersten Wahlgang begleitete seine Frau Brigitte ihn diesmal nicht mit ins Wahllokal. Es gilt ein reines Mehrheitswahlrecht - das macht es für kleine Parteien schwer, Mandate zu gewinnen.

In der ersten Runde vor einer Woche hatten auch auch aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung nur vier Kandidaten die nötige Mehrheit erhalten.

Macron war vor sechs Wochen als jüngster französischer Präsident aller Zeiten in den Elyseepalast gewählt worden.

Laut den Meinungsforschungsinstituten Kantar Public-Onepoint, Ipsos und Elabe kommen die konservative Republikaner-Partei und ihre Verbündeten auf 97 bis 133 Sitze. Die bürgerliche Rechte liegt je nach Institut bei nur noch 60 bis 90 Sitzen, die bisher regierenden, schwer gebeutelten Sozialisten mit ihren Verbündeten bei 20 bis 35. Die Sozialisten von Macrons Vorgänger François Hollande, die in den vergangen fünf Jahren den Ton in der Nationalversammlung angegeben hatten, stürzten ab.

Der Sieg für Macrons erst vor gut einem Jahr gegründete Mitte-Partei und ihre Verbündeten bestätigt eine historische Zäsur für die französische Politik. Allerdings gibt es in den Reihen der Republikaner verschiedene Lager: Manche stehen einer Zusammenarbeit mit Macron offen gegenüber, während andere auf eine klare Abgrenzung setzen. Unklar ist noch, ob die radikale Linke um Jean-Luc Mélenchon eine Fraktion bilden kann. Die Front National von Rechtspopulistin Marine Le Pen dürfte nach den Umfragen weiterhin keine grosse Rolle im Parlament spielen - allerdings hat Le Pen selbst Chancen, in ihrem Wahlkreis in Nordfrankreich erstmals in die Nationalversammlung gewählt zu werden.

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