Politiker im In- und Ausland würdigen Verdienste Kohls

Helmut Kohl

So trauert die große Politik um Altkanzler Helmut Kohl

Jahrelang wurde er gemieden, und nur langsam suchten wieder Parteigrössen und auch Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel wieder seinen Rat und Nähe. "Obwohl wir im Jahr 1998 einen harten Wahlkampf gegeneinander geführt haben und in vielen politischen Fragen weit auseinander lagen und -liegen, habe ich für seine historische Leistung größten Respekt", sagte der Sozialdemokrat dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Kardinal Reinhard Marx würdigte Kohl als Persönlichkeit mit historischem Weitblick.

1990 besuchte der damalige Bundeskanzler Kohl zum Wahlkampfauftakt der "Allianz für Deutschland" auch Erfurt. "Und er hat sich um beide Ziele wie kaum ein anderer verdient gemacht", fügte Merkel hinzu. "Der europäische Einigungsprozess wurde so zu seiner Lebensaufgabe". Die Wiedervereinigung und die europäische Einigung seien "untrennbar miteinander verbunden". "Wir trauern", erklärten CDU und CSU am Freitag auf Twitter. Er habe die Partei modernisiert. Die CDU hat eine ihrer größten Führungsfiguren verloren - Deutschland den Kanzler der Einheit.

Der frühere US-Präsident George H.W. Bush sprach von Kohl als "wahren Freund der Freiheit". Für ihn sei Kohl einer der grössten Staatsmänner im Nachkriegseuropa gewesen. Der Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, bezeichnete Kohl als "außerordentlich bedeutenden Staatsmann". Kohl habe auch ihren Lebensweg entscheidend verändert. "Mit meinem sehr guten Freund sehr eng zusammengearbeitet zu haben, um ein friedliches Ende des Kalten Kriegs und der Wiedervereinigung Deutschlands innerhalb der Nato erreicht zu haben, ist eine der grössten Freuden meines Lebens". "Bei all unseren Anstrengungen war Helmut ein Fels - stark und beständig", heißt es in dem Statement Bushs.

Großmannssucht war Helmut Kohl fremd.

Er hatte festgehalten am Traum und am Ziel des vereinten Deutschlands, auch als andere schwankten.

Der russische Präsident Wladimir Putin schickte ein Beileidstelegramm an Bundespräsident Steinmeier und Kanzlerin Merkel. Kohl werde in Russland als "treuer Anwalt einer freundschaftlichen Beziehung zwischen unseren Ländern" erinnert werden.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zeigte sich tief betroffen vom Tod Kohls. Aber die Nachricht hat mich wirklich tief traurig gestimmt. Kurz darauf veröffentlichte er ein Foto der auf Halbmast stehenden Europaflaggen in Brüssel. "Ohne Helmut Kohl gäbe es den Euro nicht". Er nannte ihn einen "grossen Staatsmann".

Sie erst legte die Grundlage für den erfolgreichen Prozess zur Deutschen Einheit. Das sei Kohls grosses Vermächtnis.

FDP-Chef Christian Lindner: "Helmut Kohl war Kanzler der Einheit & leidenschaftlicher Europäer". Er wusste: Wenn Deutschland von seinen Nachbarn - gerade von den kleineren europäischen Staaten - als übermächtig empfunden werden würde, kämen weder Deutschland noch Europa voran. An die deutsche Einheit hat er immer geglaubt und nach dem Fall der Mauer 1989 die Chance gegen alle Widerstände im In- und Ausland ergriffen. Die deutsche Wiedervereinigung und die Stärkung Europas seien "fest mit seinem politischen Wirken verbunden". Helmut Kohl war ein Pfälzer, einer, der seine Heimat liebte und ihr zeitlebens treu blieb. "Mit ihm verlieren wir einen Politiker, der mit seiner Willensstärke und unerschütterlichen Zielstrebigkeit Deutschland maßgeblich geprägt und geformt hat", erklärte Kretschmann in Stuttgart.

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