Rücken-OPs: Starke regionale Unterschiede

Oft entscheidet der Wohnort ob operiert wird oder nicht

Immer mehr OPs wegen Rückenschmerzen

Auch die Zahl der operativen Eingriffe nahm zu: 2015 gab es bundesweit 772000 Eingriffe wegen Rückenbeschwerden. Auffällig dabei: Je nach Wohnort wird bis zu 13-mal häufiger operiert als andernorts. Auch ob ein Patient mit seinen Rückenbeschwerden ins Krankenhaus eingewiesen wird, ist regional sehr unterschiedlich. Die Forscher fanden außerdem heraus, dass die Häufigkeit der Eingriffe je nach Region stark variiert. Demnach kommt es je 100.000 Einwohner durchschnittlich zu 89 Versteifungsoperationen. Bei Dekompressionsoperationen am Wirbelkanal wurden ebenfalls Unterschiede bis zum 13-fachen, bei Bandscheibenoperationen bis zum 6-fachen festgestellt. So ist in Nord- und Osthessen sowie im angrenzenden Westthüringen mittlerweile ein zusammenhängendes Gebiet entstanden, in dem fast alle Stadt- und Landkreise sehr hohe Operationsraten aufweisen.

Das geht aus einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Wegen Rückenschmerzen werden Patienten immer häufiger im Krankenhaus behandelt. Seit 2007 haben sich die Aufnahmen von 116.000 auf 200.000 im Jahr 2015 erhöht. Das waren 154.000 Fälle oder 34 Prozent mehr als 2007. Experten der Stiftung fordern zudem die Entwicklung medizinischer Leitlinien und eine umfassendere Patientenberatung. Die Mehrzahl dieser Patienten erhält dabei weder eine Schmerztherapie noch einen operativen Eingriff. "Das könnte meistens auch ambulant erfolgen", heißt es in der Studie. Auch die Zahl der Rücken-OPs ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Vielmehr sollten Ärzte verständlich über Nutzen und Risiken von Behandlungen informieren und unabhängig von finanziellen Interessen gemeinsam mit dem Patienten über das weitere Vorgehen entscheiden. Noch größer war die Zunahme an Operationen. Wie sich unnötige Krankenhausaufenthalte vermeiden lassen, macht Schleswig-Holstein vor: Die flächendeckende Einrichtung von Notfallpraxen hat bewirkt, dass deutlich weniger Patienten aufgrund der Diagnose Rückenschmerzen als Notfall stationär aufgenommen werden.

Die Zahl der Klinikaufenthalte wegen Rückenschmerzen steigt - es wird auch immer öfter operiert, allerdings mit starken regionalen Unterschieden, wie eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Um alters- und geschlechtsspezifische Aspekte herauszurechnen, wurden die Daten direkt standardisiert.

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