Schleppender Auftakt zum Parlamentswahl-Finale in Frankreich

Brigitte und Emmanuel Macron

Brigitte und Emmanuel Macron

Bei der zweiten Runde der Parlamentswahl in Frankreich zeichnet sich eine geringe Beteiligung ab. Bis zum späten Nachmittag gaben nur rund 35 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie das Innenministerium in Paris mitteilte. Bereits im ersten Wahlgang am vergangenen Sonntag war Macrons Bündnis mit 32,3 Prozent klar vorne gelandet. Präsident Emmanuel Macron konnte bei der Abstimmung laut Meinungsforschern mit einer haushohen Mehrheit in der Nationalversammlung rechnen. Der vor einem Monat gewählte Staatschef plant unter anderem im Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit eine umstrittene Lockerung des Arbeitsrechts.

Das Lager von Emmanuel Macron hat bei der Parlamentswahl einen klaren Sieg erzielt. Das war ein schlechtes Omen für alle, die beim zweiten Wahlgang der Parlamentswahlen auf eine stärkere Wahlbeteiligung gehofft hatten. Allerdings wird damit gerechnet, dass die Wahlbeteiligung noch niedriger sein wird als bei der ersten Runde. Die letzten Wahllokale schliessen um 20.00 Uhr.

Der Präsident gab seine Stimme am Vormittag im Badeort Le Touquet am Ärmelkanal ab. Einer jüngsten Umfrage zufolge dürfte La République En Marche, die sozialliberale Formation des Präsidenten, im Verbund mit der Mitte-Partei Modem am Sonntag in 430 bis 460 der 577 Wahlkreise gewinnen. Dagegen müssen die traditionellen Regierungsparteien der bürgerlichen Rechten und der Sozialisten mit einer weiteren herben Niederlage rechnen. Sie könnten laut einer Berechnung des Instituts Harris Interactive auf 60 bis 80 Sitze kommen.

Die Sozialisten von Macrons Vorgänger François Hollande waren schon im ersten Wahlgang dramatisch abgestürzt. Es gilt ein reines Mehrheitswahlrecht - das macht es für kleine Parteien schwer, Mandate zu gewinnen.

Gewählt wird das französische Unterhaus, die Nationalversammlung. Die Gegner würden zu einer zersplitterten Opposition reduziert: Die meisten brächten es nicht einmal auf die 15 Mandate, die nötig sind, um ein Rederecht zu erhalten, genügend finanzielle Unterstützung oder andere Mittel, um die Politik mitgestalten zu können.

Jean-Luc Mélenchon, der linke Tribun, ist nie um scharfe Worte und einprägsame Vergleiche verlegen. Parteichefin Marine Le Pen könnte jedoch erstmals in die Nationalversammlung gewählt werden, bisher sitzt sie nur im Europaparlament.

Eigentlich ist nach Runde eins noch nichts entschieden: Eine absolute Mehrheit gab es nur in vier der 577 Wahlkreise, 573 Sitze stehen noch zur Disposition.

Elabe-Umfrage bei BFMTV, Frz.

Neuesten Nachrichten