Steinmeier: Kohl war Ausnahmepolitiker und Glücksfall für Geschichte

Im ersten Amtsjahr Helmut Kohl während der Gespräche über deutsch-französische Wirtschaftsfragen im Oktober 1982

Im ersten Amtsjahr Helmut Kohl während der Gespräche über deutsch-französische Wirtschaftsfragen im Oktober 1982

Dem Kohl-Vertrauten und früheren "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann zufolge starb der CDU-Politiker am Freitagmorgen "friedlich in seinem Haus in Ludwigshafen". Sein Name werde "auf alle Zeit verbunden bleiben mit der Wiedervereinigung unseres Vaterlands". Die Kanzlerin schließt mit den Worten: "Ich verneige mich vor seinem Angedenken". "Möge Gott der Allmächtige Helmut Kohl segnen und die Freiheit, die er zu erhalten geholfen hat". "Helmut Kohl war ein grosser Staatsmann, seine Verdienste um unser Land sind unschätzbar", twitterten die Christsozialen mitsamt einem Schwarz-Weiss-Foto des früheren CDU-Parteichefs. Die deutsche Einheit wurde vollendet. "Helmut Kohl hat auch meinen Lebensweg entscheidend verändert". "Insofern war er auch ein Vorbild".

Im Herbst 1982 kommt es zum Bruch zwischen SPD und FDP, nach einem wirtschafts- und steuerpolitischen Papier von Otto Graf Lambsdorff.

Helmut Kohl im Juli 1986 bei einer Rede in Straßburg.

Sie erst legte die Grundlage für den erfolgreichen Prozess zur Deutschen Einheit. Mehr als 40 Jahre war der geborene Ludwigshafener Parlamentarier, zuerst im Mainzer Landtag und von 1976 an im Bundestag. In seine Kanzlerschaft fielen die deutsche Einheit, wurde die Einführung des Euro beschlossen. "Aber er verabscheute noch mehr den Totalitarismus". Kohls Netz an Kontakten und persönlichen Verbindungen in der Partei und darüber hinaus, schafft Abhängigkeiten, dient ihm zum Machterhalt und zur Kontrolle seiner Gegner. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte Kohl einen Baumeister des Friedens, der gemeinsam mit dem französischen Präsidenten Francois Mitterrand an einem freien, starken und in demokratischen Werten vereinten Europa gearbeitet habe.

Man wird noch lange studieren und bewundern, wie entschlossen und geschickt Helmut Kohl und seine Mitstreiter damals die Gunst der Stunde nutzten.

Thüringens linker Ministerpräsident Bodo Ramelow würdigte Kohl hingegen als "eine außerordentliche Persönlichkeit", die in der schwierigsten Phase nach dem Zweiten Weltkrieg "große Verantwortung übernommen" habe. "Er hat mich persönlich auf allen europäischen Wegen geleitet und begleitet", erklärte Juncker. Und doch strebte er nie ein deutsches Europa, sondern immer ein europäisches Deutschland an. 1998 verlor die christlich-liberale Koalition die Wahl, Nachfolger Kohls wurde Gerhard Schröder (SPD). Die rheinland-pfälzische CDU-Landes- und Fraktionschefin schrieb am Freitag auf Twitter: "Wir trauern um den Kanzler der Einheit, Ehrenbürger Europas, unseren ehemaligen Ministerpräsidenten, CDU-Landesvorsitzenden". "Er hat für Deutschland, für Europa die wichtigsten Weichen gestellt - und damit den Weg für die Zukunft des ganzen europäischen Kontinents gelegt", erklärte Strobl. "Unbestreitbar schulden ihm die Satiriker Dank". Ein weiterer Markstein ist die kommunale Gebietsreform - ein Thema, dessen Kompliziertheit gerade in der allerjüngsten Zeit deutlich zutage getreten ist.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat Altkanzler Helmut Kohl für seine Verdienste gewürdigt. Mit Blick auf die deutsche Einheit fügte der Bundespräsident hinzu: "Sein politischer Instinkt, seine grosse Erfahrung und seine herausragende Begabung, Vertrauen bei unseren Nachbarn und Partnern zu gewinnen, haben ihn dazu befähigt, eine einmalige historische Chance zu erkennen und sie mit Entschlossenheit zu ergreifen". "Einen bedeutenden Kanzler, der die Geschicke der Republik lange geprägt hat", hieß in einer Mitteilung.

Helmut Kohl war ein Pfälzer, einer, der seine Heimat liebte und ihr zeitlebens treu blieb.

Berlin. Trauer um einen großen Staatsmann: Helmut Kohl, der Kanzler der deutschen Wiedervereinigung, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Doch Helmut Kohl übergab sein Amt nicht, er überschätzte sich, als er auch 1998 noch einmal antrat. "Ich bin wegen ihm in die CDU eingetreten", sagt der 32-jährige Ratsherr und letzte Landtagskandidat der Union, Simon Nowack.

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