"Rücksichtslos, dumm, gefährlich": So bewerten US-Sicherheitsexperten Trumps Drohungen an Nordkorea

Nordkorea ist eigenen Aussagen zufolge in der Lage Atomsprengköpfe auf 10.000 Kilometer entfernte Ziele abzufeuern

Nordkorea ist eigenen Aussagen zufolge in der Lage Atomsprengköpfe auf 10.000 Kilometer entfernte Ziele abzufeuern

Die Antwort aus Nordkorea kam sofort: Man erwäge einen Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam und werde einen Präventivkrieg der Amerikaner mit einem "totalen Krieg" beantworten, der sämtliche Stützpunkte der USA auch auf dem amerikanischen Festland ausrotten werde.

Die USA nutzen Guam, das 3500 Kilometer von Nordkorea entfernt liegt, als militärischen Vorposten. "Wenn Trump darauf immer wieder mit kriegerischer Rhetorik antwortet, habe ich die Sorge, dass man langsam abstumpft", sagte der außenpolitische Sprecher seiner Fraktion der "Welt". "Macht, wie es die Welt so noch niemals zuvor gesehen hat". Das fange mit der Evakuierung zehntausender amerikanischer Zivilisten aus Südkorea an, sagte Mark Hertling, ein pensionierter General, dem Sender.

In Erwägung gezogen wird demnach ein Angriff mit ballistischen Raketen des Typs Hwasong-12, um die US-Stützpunkte auf Guam und die dort stationierten Bomber in Schach zu halten - schliesslich sei die Insel der potenzielle "Ausgangspunkt für eine Invasion in Nordkorea". Während einige aber auch eine "Botschaft der Abschreckung" sahen, fürchteten andere einen "gefährlichen Pfad", den Trump beschreite.

Zur atomaren Bewaffnung der USA hatte Trump am Mittwoch getwittert: "Mein erster Befehl als Präsident war, das nukleare Arsenal zu erneuern und zu modernisieren". Eine diplomatische Lösung bevorzugt nach wie vor Rex Tillerson: "Wir streben keinen Regimewechsel an, wir hoffen, dass sie das von einem gewissen Punkt an verstehen, und wir würden uns gerne mit ihnen zusammensetzen und einen Dialog mit ihnen beginnen", sagte der US-Aussenminister wohl auch an Kims Adresse gerichtet. Donald Trump aber hat diese Duell-Herausforderung angenommen, mit seinen Worten geradezu kindisch gespiegelt und damit die größte Dummheit seiner kurzen Präsidentschaft begangen. Guams Gouverneur Eddie Calvo reagierte gelassen auf die Drohungen aus Pyongyang. Der Sicherheitsberater Guams, George Charfauros, sagte, die 162 000 Inselbewohner sollten sich "entspannen und das Paradies geniessen". Ebenso wenig hilft es, wenn Donald Trumps Regierung willkürliche rote Linien zieht, von denen sie weiß, dass Überschreitungen folgenlos bleiben. "Die Sicherheit Amerikas beruht nicht nur auf der Stärke unserer Armee, sondern auch auf der Glaubwürdigkeit unseres Oberkommandierenden", sagte das Mitglied des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses. Und der republikanische Senator John McCain erinnerte daran, dass "große Führungspersönlichkeiten "ihren Feinden nur drohten, wenn sie auch zum Handeln bereit seien". Als Handlungsmaßstab erwägt Trump offenbar nicht mehr nur eine Gegenreaktion auf einen denkbaren nordkoreanischen Angriff - schon verbale Drohungen könnten Auslöser für eine Intervention werden. Und der prominente Pfarrer Robert Jeffress aus Texas, religiöser Berater des Präsidenten, erklärte, Gott habe Regierenden die volle Macht gegeben, das Böse mit allen Mitteln zu stoppen. Doch er ergänzte: Die USA seien bereit, militärische Mittel einzusetzen, um sich zu verteidigen. Peking dürfte auch weiterhin Interesse an einer geteilten koreanischen Halbinsel haben. Aus den markigen Worten der Machtmenschen spricht jedoch vor allem Unsicherheit, wie es weitergehen soll. "Weiteres Säbelrasseln wird uns hier sicher nicht weiterhelfen".

Trump und weitere Politiker haben China schon früher dazu gedrängt, Nordkorea in die Pflicht zu nehmen. Die auf Annäherung bedachte Sonnenscheinpolitik der 2000er-Jahre hat Pjöngjang zur Hochrüstung motiviert. Trumps Sprache könnte leicht missverstanden werden - er hat nicht genau gesagt, was zu 'Feuer und Wut' führen könnte ausser den 'Drohungen' Nordkoreas.

Neuesten Nachrichten